Eine Rede halten oder vor die Kamera gehen: Für rund die Hälfte aller Menschen ist das nicht nur aufregend, sondern regelrecht angsteinflößend. Für sie beginnt der Stress bereits, wenn ein solcher Auftritt zur Debatte steht. Er wird zur Qual, wenn der Termin feststeht.

Natürlich kann man versuchen, solchen Verpflichtungen aus dem Wege zu gehen. Aber eine Lösung ist das nicht. Weil man bei der Hochzeit seines Kindes zum Beispiel gerne ein paar nette Worte sagen würde. Weil man beruflich früher oder später vor einer Gruppe sprechen soll. Weil jeder Auftritt dieser Art eine Chance ist – die man sich nicht versagen will.

Besser ist es, das Thema Lampenfieber oder Bühnenangst aktiv anzugehen. Patentrezepte gibt es zwar nicht. Aber es gibt Herangehensweisen, die mit Sicherheit helfen. Hier sind fünf Tipps, wie aus einer angstbesetzten Verpflichtung eine interessante, beherrschbare Herausforderung wird.

1. Ein bisschen Aufregung ist normal

Lampenfieber zu besiegen bedeutet nicht, völlig tiefenentspannt vor ein Publikum zu treten. Ob als Künstler, Schauspieler, Sportler oder ganz normaler Mensch: Ein Auftritt ist immer eine besondere Situation. Körper und Geist sollen in dem Moment hellwach und besonders leistungsfähig sein. Dafür sorgt Adrenalin. Es gilt lediglich zu verhindern, dass ein Zuviel an Adrenalin zum Problem wird und die Leistungsfähigkeit sabotiert.

Konkret bedeutet das, ein gewisses Maß an Aufregung als hilfreich zu verstehen. Wenn Puls und Atmung beim Gedanken an den Auftritt schneller werden, dann ist das nicht der alte Feind, der das Kommando übernimmt. Vielmehr schaltet der Körper in einen erhöhten Leistungsmodus. Das ist nicht nur völlig normal, sondern auch hilfreich. Und das nimmt man am besten einfach nur zur Kenntnis.

2. Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Genau genommen ist der Feind nicht Aufregung, sondern Angst. Und zwar die Angst, sich vor versammelter Mannschaft zu blamieren. Nur: Dafür gibt es doch gar keinen Grund. Wenn wir ein paar liebenswerte Worte über das Brautpaar sagen sollen, ist das doch machbar. Wenn wir einem Kollegenkreis einige Hintergründe unseres Arbeitsgebiets erläutern sollen, kann das doch ganz interessant sein.

Das Problem ist nicht der Inhalt – sondern die Angst vor dem Auftritt. Und diese Angst stellt uns eine Falle. Indem sie uns den Spaß an der ganzen Sache vermiest. Und womöglich dafür sorgt, dass wir die Vorbereitung vor uns herschieben.

Zu wissen, dass man sich gut vorbereitet hat, beruhigt ungemein. Das fängt damit an, dass man sich klarmacht, vor wem man spricht und was das Publikum in etwa erwartet. Die erste Frage der Vorbereitung lautet deshalb: Wer ist mein Publikum und wie hole ich es ab?
Wenn das klar ist, ergibt sich der Rest fast von allein.

3. Struktur schafft Klarheit

Egal, ob man drei Minuten vor laufender Kamera sprechen wird, zwölf Minuten vor Verwandten oder 45 Minuten vor großem Auditorium: Eine klare Struktur ist hilfreich für das Publikum – und besonders für einen selbst.

Ein probater Ansatz ist es deshalb, zu Beginn der Vorbereitung drei Kernbotschaften als tragende inhaltliche Säulen zu definieren. Egal, was passieren mag: Diese drei Kerngedanken sollen mühelos abrufbar sein. Wenn es sein soll, auf einen Satz reduziert. Oder ausgeschmückt auf fünf Minuten. Oder inhaltlich angereichert über eine Viertelstunde. Auch hier ergeben sich die Details dann fast von selbst.

Eine Faustregel besagt, dass man bei einer wichtigen Veranstaltung immer ein Manuskript haben sollte – auch wenn man das Thema noch so gut kennt. Weil man nie weiß, in welcher Verfassung man an dem Morgen aufsteht.

Aber wenn die Struktur klar ist und die Details vertraut sind, dann reichen ein paar unterstrichene Begriffe auf jeder Seite – und man liest nicht ab, sondern hangelt sich von Stichwort zu Stichwort und redet frei. Was den Kontakt zum Publikum verbessert, selbstbewusst wirkt und manchen Zuhörer ziemlich beeindrucken wird.

4. Sie haben das Wort

Bühnenangst will uns weismachen, dass die Leute im Publikum nichts Besseres zu tun haben, als uns zu bewerten. Das ist natürlich Quatsch. Ein Teil denkt über eine Einkaufsliste nach, andere über einen bevorstehenden Termin. Einige hören einfach nur zu. Und ein paar finden das, was sie da hören, gar nicht mal so uninteressant.

Bühnenangst will uns weismachen, dass das Publikum etwas mit uns macht. In Wahrheit soll es genau umgekehrt sein: Wer das Wort hat, führt Regie. Nimmt das Publikum mit auf eine kleine Reise. Betet nicht Fakten runter, sondern erzählt eine Geschichte. Die ernst sein kann, aber auch heiter.

Eine Kernfrage der Vorbereitung lautet deshalb: Was mache ich mit dem Publikum? Spiele ich mit Vorurteilen? Führe ich es erst einmal ein wenig in die Irre? Beweise ich, dass eine Kleinigkeit in Wirklichkeit wichtig ist – oder etwas Wichtiges in Wirklichkeit nebensächlich? Entscheidend ist: Als Redner habe ich einen Plan. Den nur ich kenne. Und den umzusetzen mir Spaß macht.

5. Den Kontext entscheide nur ich

Wer unter Redeangst leidet, hat sich auf einen negativen Kontext für den Auftritt festgelegt: Das Publikum bewertet mich und wenn ich nicht gut bin, dann ist das schlimm. Das erzeugt Angst. Und wird damit womöglich zur ‚self fulfilling prophecy’, zu einer sich selbst herbeiführenden Prophezeiung.
Dabei ist klar, dass ein anderer Mensch denselben Auftritt aus einem ganz anderen Blickwinkel angehen kann. Als eine Chance zum Beispiel, das Publikum zu informieren, zu unterhalten, zu erstaunen, zu motivieren, zu verändern.

Auch für einen selber gilt: Es gibt unterschiedliche Kontexte, die man sich im Hinblick auf einen Auftritt vor Publikum zu eigen machen kann. Es lohnt sich deshalb, ein wenig Zeit zu investieren, um den für sich und diesen speziellen Auftritt bestmöglichen Kontext zu finden.

In welchem Kontext man den eigenen Auftritt sieht, das entscheidet nur man selbst. Und das sollte man auch bewusst tun. Um sich anschließend zu sagen: So hatte ich es geplant. Und es ist mir ziemlich gut gelungen.