Jedes Podcast Manuskript beginnt mit einem leeren Blatt.

Schreiben fürs Sprechen: 5 Tipps für lebendige Podcast-Manuskripte

Wer mit einem Podcast über zwanzig und mehr Minuten unterhalten und/oder informieren will, bereitet sich vor. Mit Fakten, Leitgedanken, Notizen.

Fünf Tipps, damit aus Schreibe Sprache wird.

Es soll Menschen geben, die notieren sich für ihren Podcast fünf bis sieben Stichworte, geben ihren Mundmuskeln ein kurzes Hallo-Wach-Training, klicken auf ‚Aufnahme’ und legen los. Andere unterhalten sich mit einem interessanten Gast über ein interessantes Thema – und die kleine Liste mit Fragen dient eigentlich nur der Sicherheit.

Wer allerdings über zwanzig und mehr Minuten nur mit der Kraft der eigenen Stimme unterhalten und/oder informieren will, bereitet sich schriftlich vor. Mit einer klaren Struktur. Mit markanten Kernaussagen und guten Beispielen. Mit treffenden Formulierungen. Sprich: mit einem Manuskript.

Hier sind fünf Tipps, damit aus Schreibe Sprache wird. Für die Podcaster unter Ihnen – und für jene, die es werden wollen.

1. Den Hörer vor Augen haben

Als Podcaster haben Sie das große Glück, sich Ihre Lieblingshörerin, ihren idealen Hörer selbst aussuchen zu können. Und das sollten Sie tun. Vielleicht dient ein Verwandter als Vorbild oder eine Freundin. Vielleicht eine Cartoonfigur oder eine Person, die Sie eigens für diesen Zweck erschaffen. Mit Alter, Haarfarbe, Kleidung. Mit Marotten und allem Drum und Dran.

Weil Sie sich beim Schreiben nicht auf Ihre Tastatur konzentrieren wollen oder auf Ihren Bildschirm. Nicht auf Papier oder Stift. Sondern auf Ihr Gegenüber.

Gehen Sie noch einen Schritt weiter. Erfinden Sie das Ambiente gleich mit, in dem Sie beide sich treffen. Das kann ein Bistro sein oder eine Bank im Park. Hauptsache ist, Sie beide fühlen sich dort wohl. Freuen sich auf Ihre Gespräche. Sie schreiben also kein Manuskript, keine Rede. Sondern hören zu. Und notieren einfach, was Sie Ihrem Lieblingshörer erzählen.

2. Ich will es mal so sagen ….

Und dabei fällt Ihnen etwas auf. Dass das, was Sie da notieren, nicht nur Informationen sind und Argumente, zweckbestimmt, korrekt und womöglich sogar klug. Sondern auch Schnörkel und Füllsätze, kleine Verbesserungen und Abschweifungen – Menschlichkeiten also, die in jedem ordentlichen Text wegkorrigiert würden.

Aber ihr Podcast-Manuskript soll keiner dieser ordentlichen Texte sein. Sondern eine Mitschrift. Unredigiert, mit Ecken und Kanten. Und damit kommen wir zum dritten Punkt.

3. Chaos wird durch Ordnung erst schön

In jeder Zeitungsredaktion würden wir für einen solchen Text Ärger bekommen. Wegen unvollständiger Hauptsätze zum Beispiel und einer generellen Missachtung journalistischer Grundregeln. Aber wir schreiben diesen Text ja nicht für unseren Chefredakteur und auch nicht für unsere Deutschlehrerin.

Obwohl unser Text streng genommen etwas chaotisch daherkommt, sorgen wir – eher unauffällig – für eine gewisse Ordnung. Lassen keinen Zweifel daran, worum es in unserem heutigen Gespräch geht. Wiederholen Wichtiges mit anderen Worten, fassen gedankliche Blöcke zusammen. Kommen noch mal kurz auf einen Punkt zurück. Geben eingangs einen kurzen Ausblick und machen am Ende den Deckel drauf.

Zwischendurch lassen wir unseren Zuhörer immer mal kurz wissen, wo wir uns gerade befinden. Dass wir noch eine Sache kurz ansprechen wollen, bevor wir dann zum Schluss kommen.

4. Das Auge hört beim Podcasthören mit

Kann man hören, ob der Gesprächspartner am Telefon auf der Couch liegt, im Zimmer auf und ab geht oder auf einen Bildschirm starrt? Man kann. Kann man ein Lächeln hören? Man kann. Und bei einem Podcast soll man das auch. Den Podcaster „sehen“.

Gut zu wissen, dass eine Aufnahme im Stehen unweigerlich mehr Dynamik haben wird als im Sitzen. Wichtig zu wissen auch, dass unsere Zuhörer „sehen“, wenn wir mit Händen und Füßen reden. Und das als angenehm empfinden. Erfrischend. Lebendig.

Aber uns geht es ja hier vornehmlich ums Schreiben. Auch da sollten wir mit Tempo spielen und mit Tonalität. Klar, dass unsere Sätze generell eher kurz sein müssen. Damit unsere Zuhörer uns gut folgen können. Schön, wenn die Sätze einen angenehmen Rhythmus haben – nicht alle, aber es spricht sich besser und hört sich schön an.

Aber da geht noch mehr.

Kürzer ist schneller. Intensiver. Vergiss Grammatik, hau die Botschaft raus. 690 Millionen Menschen leiden unter Hunger in der Welt. Jetzt. In diesem Moment. Das ist ein Skandal. Punkt.

Und manchmal, wenn wir uns an etwas längst Vergangenes erinnern (zum Beispiel), als wir noch jung waren und auf alle Fragen eine Antwort wussten, dann tut es gut, die Stimme ein wenig zu senken, Gedankenstriche und Klammern zu ihrem Recht kommen und einen Satz dahinfließen zu lassen, der eigentlich in dieser Länge überhaupt keine Daseinsberechtigung hat.

5. Einen Schritt vor, zwei zurück

Zugegeben, manchmal sind die beiden, die da auf der Parkbank oder im Bistro sitzen, unser Alter Ego und unsere Lieblingshörerin, nicht so gut zu verstehen. Akustisch. Dann muss man sich behelfen. Erstmal den Sinngehalt notieren, damit der nicht verloren geht. Bis unwillkürlich eine Pause entsteht.

Absatz. Zwei Schritte zurück.

Dass er oder sie das zwar so gemeint hat, aber nicht so gesagt hätte: Das fällt uns sofort auf, wenn wir die Passage wenig später lesen – am besten halblaut. Jetzt können wir aus Schrift Sprache werden lassen. Durch nochmaliges, genaueres Zuhören. Und in einem abschließenden Durchgang aus Sprache Erzählung. Einschließlich Lächeln oder Stirnrunzeln.

Sollte man das Lächeln oder Stirnrunzeln handschriftlich im Manuskript vermerken? Mit einem Smiley bzw. Frowny? Natürlich. Und bei der Gelegenheit auch das Kernwort des Satzes unterstreichen, wenn es etwas unauffällig daherkommt.

Ob man eine denkbar gute Stelle für eine Pause markiert / oder mehrere_ Worte_die_zusammengehören verkettet. Erlaubt ist, was hilft. Damit es sich schön spricht.

Weil es sich dann auch schön anhört.


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Foto: Engin_Akyurt / pixabay.com